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Portogruaro auch bekannt als “Klein-Venedig auf dem Festland“ ist eine elegante Kleinstadt, knapp dreissig Kilometer von Bibione entfernt, in der man einen angenehmen Tag verbringen kann.

Zu empfehlen ist ein Spaziergang durch die Laubengänge der antiken Palazzi aus dem Mittelalter und der Renaissance, ein Einkaufsbummel durch die eleganten Geschäfte in der Altstadt oder über den Markt, der schon seit Jahrhunderten stattfinden.
Zudem kann man in der Stadt direkt am Fluss zu Mittag essen und in antiken Kirchen verborgene Fresken entdecken.

 

Renaissance-Palazzi, exklusiver Einkaufsbummel und Wochenmarkt auf dem Corso dei Martiri

Ursprünglich besass die Stadtmauer von Portogruaro bogenförmige Stadttore: Borgo San Nicolò und Borgo San Gottardo im Norden und Borgo Sant’Agnese und Borgo San Giovanni im Süden.

Und hier beginnt, nachdem wir das Auto nahe des alten Krankenhauses “Ospedale Vecchio” oder auf einem der zahlreichen Parkplätze nahe der Altstadt abgestellt haben, unser Ausflug in die Stadt, die sich ab ihrer Gründung (12. Jh.) um das Flüsschen Lemene entwickelt hat. Der Fluss ist von den Fassaden antiker Palazzi umgeben.

Ihre verschiedenen architektonischen Stilrichtungen – von der römischen Architektur bis zur venezianischen Gotik – sind Ausdruck der Stadtgeschichte, die eng mit der Republik Venedig verknüpft ist.

Nachdem wir durch das Stadttor gegangen sind, kommen wir zu dem Corso dei Martiri della Libertà: unter den langen, imposanten Laubengängen befinden sich viele schicke Boutiquen, aber auch historische Kaffeehäuser in raffinierten Renaissance-Palazzi von venezianischer Prägung.
Und gerade an der Fenstern des Palazzo Fratto auf dem Corso Martiri beobachtete einst der bekannte Schriftsteller Ippolito Nievo (1831-1861), der Portogruaro in sein Werk “Confessioni di un italiano” (dt. Bekenntnisse eines Italieners), einer der grossen europäischen Romane de 19. Jh. aufgenommen hat, das vergnügte Flanieren seiner Mitbürger.

Auch heute flanieren die Menschen noch über diese Strasse. Insbesondere an den Nachmittagen am Wochenende und am Donnerstag, dem Marktstände reichen dann bis zur zentral gelegenen Piazza della Repubblica.
Von der jahrhundertealten Wurzeln der Tradition des Wochenmarkts zeugen die Rinnen, in denen einst die Holzstände der Geschäfte befestigt wurden.

An der Piazza della Repubblica steht das Rathaus (14. Jh.) mit dem Originalkranz aus Schwalbenschwanzzinnen und die Glocke, mit der die Sitzung des Kommunalrates einberufen wurden.
Unter der Loggia befindet sich direkt am Fluss eine Holzkapelle, welche die Fischer von Caorle im 17. Jh. zu Ehren der Hl. Jungfrau errichteten.

 

Im Schatten des antiken Glockenturms

Corso dei Martiri führt auch zum Dom, der dem Apostel Andreas gewidmet ist.
Bei dem heutigen Sakralbau handelt es sich nicht um dem Originalbau aus dem Mittelalter, sondern um einen Nachbau aus dem Jahr 1883.

In seinem Inneren werden einige hochwertige Altartafeln aus dem 16., 17. und 18. um ihn bis auf die heutige Höhe zu erbauen.

Der beste Ausblick der Stadt: die Brücke zwischen den Wassermühlen

Die antike Kirche des Hl. Andreas, die gegenüber dem Dom liegt, war einst mit der Via Roma verbunden, die direkt zur Apsis des Gebäudes führte.

Diese kleine autofreie Strasse hat eine logistische Funktion und zugleich eine symbolische Bedeutung für Portogruaro, da sie die beiden Ufer des Flusses Lemene verbindet.
Von dort, umgeben von dem Rauschen des Wassers und im Schatten der Weiden, geniesst man den Blick auf die beiden Mauerwerksbauten mit den Dachpfannen, die mitten im Lemene stehen: Das sind die beiden Wassermühlen aus dem 13. Jh., die einst im Besitz des Bischofs vom Concordia waren und wo das Getreide gemahlen wurde, das per Schiff in die Stadt kam.

Die Wassermühlen sind Sitz der Städtischen Galerie für Zeitgenössische Kunst (Galleria Comunale d’Arte Contemporanea).

Die Strasse der Museen

Biegt man am Ende, der Via Roma links ab, kommt man in die Via Seminario, wo man sofort auf das wichtigste Gebäude für die Geschichte von Portogruaro stösst: die Villa Comunale (1543-1550), die sich von allen anderen Gebäuden der Stadt durch die wunderschöne Loggia im zweiten Stockwerk unterscheidet. Der Park der Villa – der die Altstadt mit den mehr als 500 Parkplätzen, die nahe des Busbahnhofs eingerichtet wurden, verbindet – ist das Herz der Stadt.

Die Hausnummer 26, zu der wir nach etwa hundert Metern kommen, besticht durch ihre neugotische rote Backsteinfassade. Es ist das Museo Nazionale Concordiese, in dem seit Ende des 19. Jh. wunderschöne archäologische Funde zu sehen sind, die an Ausgrabungsstätten in der ehemaligen römischen Kolonie Condordia Sagittaria gefunden wurden.

Einige Meter weiter beginnt auf der gleichen Strassenstrasse der lange, charakteristische Laubengang mit den dorischen Säulen, an dessen Ende sich der Eingang zum Collegio Marconi, einem grossen Gebäudekomplex aus dem 11. Jh., befindet, das ab 1704 Sitz des Diözesan-Seminar wurde, in dem bekannte Persönlichkeiten wie Lorenzo Da Ponte (1749-1838) und der Librettist von Wolfgang Amadeus Mozart lehrten.

Unser Spaziergang führt weiter über die Kreuzung an den Laubengängen der Via Cavour entlang bis zum antiken Stadttor und dem Turm Torre di Sant’Agnese, einer der Strukturen aus dem mittelalterlichen Portogruaro, in dem seit 1999 das Museo della Città (Städtische Museum) untergebracht ist.

Portogruaro, die Stadt der Tore und des Flusses: Borgo San Giovanni

Am Stadttor Porta Sant’Agnese angekommen biegen wir links in die Via del Rastrello ein, um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren: Borgo San Giovanni, wo der erste Handelsplatz von Portogruaro (13. Jd.) für den Salzhandel eingerichtet wurde.

Konkrete Spuren davon gibt es leider nicht mehr, aber folgt man der Calle di Palazzo Bergamo-Pari (16. Jh.), die als Lager genutzt wurde, kann man die wertvollen Fresken an der nördlichen Fassade bewundern.

Das ist nur ein Meisterwerk dieses kleinen, grossen “Venedig auf dem Festland”.